Substitutionsprogramm für Heroinabhängige

Die Substitution ist als Behandlungsmethode in der Bundesrepublik anerkannt. In Deutschland nehmen circa 70.000 Opiatabhängige an einem Substitutionsprogramm teil. [1]

Die Substitutionsbehandlung ist eine von mehreren Möglichkeiten zum Ausstieg aus der Drogenabhängigkeit von Opiaten.

Was ist unter Substitution zu verstehen?


Substitution bedeutet Ersatz bzw. Ersatzmittel.

Wer an einem Substitutionsprogramm teilnimmt erhält vom Arzt/Ärztin einen Ersatzstoff wie beispielsweise Methadon, Polamidon oder Subutex. Die Abgabe über den Arzt/Ärztin ist legal.

Das Programm sieht die befristete und die unbefristete Substitution vor.

Detailliertere Informationen darüber erhält man vom Arzt bzw. der Ärztin der/die die Substitutionsbehandlung durchführen wird.



Substitutionsmittel


Substitutionsmittel sind ebenfalls Opiate, mit prinzipiell  den gleichen Wirkungen und Nebenwirkungen wie bei Heroin.

Sie unterscheiden sich jedoch vom Heroin in drei wichtigen Punkten:

  • Heroin wird häufig intravenös konsumiert d.h. gespritzt. Substitutionsmittel können dagegen ohne nennenswerten Wirkverlust oral verabreicht werden d.h. eingenommen werden.
  • Die Substitutionsmittel haben eine erheblich längere Wirkdauer als Heroin.
  • Sie erzeugen keinen Kick – damit fehlt das besondere orgiastische Gefühl, d.h. von der Droge zu schwärmen.


Auch Substitutionsmittel können Nebenwirkungen aufweisen. Sollte dies der Fall sein, ist umgehend der Arzt bzw. die Ärztin darüber zu informieren.


Wer kann substituiert werden?

  • Grundsätzlich jeder der das 18. Lebensjahr vollendet hat und
  • der länger als zwei Jahre opiatabhängig ist.


Wichtig:


Bei Opiatabhängigen, bei denen o.g. Voraussetzungen nicht zutreffen, erfolgt eine Überprüfung durch die sog. Qualitätssicherungskommission. In diesen Fällen ist die Substitution als zeitlich begrenzte Maßnahme zum Übergang in eine drogenfreie Therapie zulässig.


Substitution bedeutet aber auch:

  • eine drastische Verringerung des Risikos der Infizierung mit HIV- und/oder Hepatitis,
  • die Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands,
  • der Weg aus der Sucht durch einen sanften Entzug, d.h. es erfolgt eine schrittweise Reduktion der Dosierung bis auf Null – i.d.R. treten keine oder nur sehr geringe Entzugserscheinungen auf,
  • die Chance, die Zeit zwischen Beginn der Therapievorbereitungen und Aufnahme in eine stationäre Therapie zu überbrücken ohne erneut straffällig zu werden sowie
  • die Chance, aufgrund eines „drogenfreien Kopfes" und durch die neu gewonnene Freizeit sich mit seiner Suchtproblematik adäquat auseinander setzen zu können.


Substitution bedeutet nicht:

  • eine Rauschwirkung oder Euphorisierung zu bewirken, sondern Ziel der Behandlung ist in erster Linie Entzugssymptome zu vermeiden.

Kritische Anmerkungen zum Substitutionsprogramm

  • Beim Substitutionsprogramm handelt es sich i.d.R. um eine langfristige Behandlung, die Disziplin erfordert.
  • Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt da das Substitutionsmittel täglich beim Arzt bzw. der Ärztin einzunehmen ist – auch an den Wochenenden.
  • Aufgrund des fehlenden Kicks während der Substitution besteht die Gefahr des Beikonsums.
  • Unter Umständen müssen Substituierte erst wieder lernen, mit der unausgefüllten und freien Zeit umzugehen. Wo sich vorher alles um den Drogenkonsum und die Beschaffung gedreht hat ist jetzt ein großes Zeitloch.
  • Es zeigt sich meist in dieser Zeit, daß eine Vielzahl sozialer Kontakte während des Suchtverlaufs verloren gingen und die Betroffenen oftmals keine bzw. nur wenige Freunde außerhalb der Szene haben.


Voraussetzungen für eine Substitutionsbehandlung

  • Sie wollen etwas verändern oder möchten es mindestens versuchen.
  • Sie sind bereit offen und ehrlich über ihre Suchtproblematik zu sprechen.


Was beinhaltet die Substitutionsbehandlung

  • Individuelle Abstimmung des Substitutionsmittels auf die betroffene Person
  • Psychosoziale Begleitung durch eine Beratungsstelle – um persönliche und psychosoziale Hintergründe der Suchtentwicklung zu erarbeiten

[1] "rausch" Wiener Zeitschrift für Suchttherapie, 3. Jahrgang, Heft 2.2104